Darfst du auch mal faul sein?

Bei all dem höher, schneller, weiter heutzutage, da zweifelt man manchmal, ob man es sich überhaupt noch erlauben darf, auch mal zur Ruhe zu kommen. In den Medien liest man ständig über junge Entrepreneurs die 18 Stunden Schichten schieben um das neue google zu erfinden, die Kollegen prahlen am Montagmorgen auf wie vielen Parties sie am Wochenende gefeiert haben und selbst deine Putzfrau fängt jetzt an Marathon zu laufen.

Ich frage mich manchmal:

  • Ist es ok, wenn ich einfach mal Nichts tue?
  • Wenn ich am Sonntag ein paar Stunden die Beine ausstrecke, mich mit einem Buch aufs Sofa lege und sonst nichts tue als zu lesen?
  • Was sollen denn dann am Montag die Kollegen denken, wenn ich fürs Wochenende keine aufregenden Pläne für Parties oder Einladungen habe, sondern einfach mal in den Tag hinein lebe? Denken die dann ich bin nicht beliebt oder gar, dass ich ein Langweiler bin?

Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Faulsein kann auch positiv sein. Wenn, ja wenn und nur dann: wenn du es bewusst machst. Wenn du dauerhaft faul bist und alles liegen und stehen lässt, so dass nach drei Tagen kein sauberer Teller mehr im Schrank steht, sich die Bügelwäsche zwei Meter hoch türmt und im Bad seit einem Monat nicht mehr geputzt wurde, das hat nichts mit dem Faulsein zu tun, wie ich es verstehe. Das ist einfach nur ekelig.

Mein Faulsein heißt: intuitive Entspannung

Du hörst auf deinen Körper, spürst in ihn hinein wie es ihm geht, wie er sich fühlt und nach was er sich sehnt. Wenn du merkst, du bist erschöpft weil du eine anstrengende Woche hinter dir hast, dann bringt es dir keine Erholung wenn du mit den Kollegen zum Feiern gehst und auch nichts wenn du wie deine Putzfrau mit dem Marathontraining beginnst. Das alles überfordert deinen Körper.

Intuitive Entspannung bedeutet, dass du deinem Körper eine Erholung gönnst und zwar mit genau dem, was er sich wünscht. Die einzige Ausnahme zu dieser Regel sind schlechte Ernährungsbelohnungen, denn das wünscht sich dein Körper nicht wirklich. Das ist lediglich (d)eine schlechte Gewohnheit sich bei Stress mit Süßigkeiten oder Comfort Food zu belohnen.

Gönne dir kleine Pausen

Wir leben in einer Gesellschaft in der in den letzten Jahren immer mehr Wert auf schnelle Reaktion gelegt wurde. Jeder erwartet, dass man innerhalb von kürzester Zeit auf eine Nachricht reagiert. 24 Stunden bei E-Mails, am besten sofort bei Nachrichten über Whats App oder Messenger. Auf Facebook wird die Reaktionsgeschwindigkeit sogar angezeigt und fließt in den Algorithmus mit ein, der berechnet, wie häufig deine Posts ausgespielt werden. Es herrscht also ein großer Druck ständig präsent und immer online verfügbar zu sein. Abschalten ist nicht gewünscht. Präsenz zeigen dafür sehr. Auch um 23 Uhr abends oder am Sonntagnachmittag um drei. Der Arbeitgeber verlangt es und die Freunde sowieso.

Wir machen tausend Dinge gleichzeitig. Eine E-Mail beantworten, gleichzeitig in der Telefonschleife mit irgendjemand hängen, nebenbei auf Whats App ein paar neue Fotos checken und Kaffee kochen. Wir multitasken und merken oft gar nicht wie ineffizient, anstrengend und kräftezehrend dieses Vielfach-Gleichzeitig-Arbeiten eigentlich ist. Deine Aufmerksamkeit wird fragmentiert und in viele unterschiedliche Richtungen gelenkt. Das Resultat ist, dass wir unaufmerksam sind, Flüchtigkeitsfehler machen und letztendlich eine schlechtere Arbeit abliefern.

Zu was dieses ständig präsent sein führt, wissen wir alle wenn wir uns im Büro umsehen, wie viele der Kollegen in den letzten Jahren an Burnout erkrankt sind, chronische gesundheitliche Beschwerden haben oder ständig erschöpft sind wegen Dauerbelastung.

Frag dich mal, wann hast du dir das letzte Mal bewusst einen freien Abend gegönnt, nur für dich? Wann bist du das letzte Mal alleine gemütlich und in Gedanken spazieren gegangen? Wann hast du dir im letzten Jahr die Zeit genommen ausgiebig in der Badewanne zu planschen und den Schaum zu genießen?

Auch Nichtstun will geplant sein

Du denkst vielleicht du tust am Samstag mal nichts, doch dann telefonierst oder skypst du stundenlang mit deiner Freundin, machst endlich mal die Ablage die schon länger auf dich wartet, räumst die Küche ordentlich auf, denn dafür hattest du in der letzten Zeit keine Muße oder stopfst ein paar Socken deiner Kinder. Das hat nichts mit intuitiver Entspannung zu tun. Das ist einfach nur unverplante Zeit mit Tätigkeiten füllen.

Intuitive Entspannung heißt, du triffst bewusste Entscheidungen mit was und auch mit wem du deine freie Zeit verbringst und füllst sie nicht mit lieblosen Beschäftigungen, nur um etwas zu tun. Für deine Produktivität, dein Gehirn und deine Kreativität ist es wichtig auch mal Pause zu machen, innezuhalten und zu reflektieren.

Dann stellt sich natürlich die Frage, was kannst du tun, wenn du dich bewusst erholen willst. Und zwar aktive Erholung als Gegenteil von einfach nur müßigem Faulsein. Ich teile fünf Ideen mit dir, die mir immer wieder helfen mal runterzukommen und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen oder meinen Körper zu entspannen.

5 Tipps zum Entspannen und Faulsein

1. Schreibe ein Journal

Eine wunderbare Methode, um den Geist zu entspannen ist ein Journal zu schreiben, eine Art Tagebuch. Besorge dir ein schönes Buch in das du jeden Tag oder so oft du magst, deine Gedanken, deine Pläne, deine Ziele, deine Wünsche einträgst sowie Lösungen für deine aktuellen Herausforderungen. Notiere dir, wer willst du sein und wo willst du hin. Die schriftliche Fixierung macht es dir noch klarer, was dein Weg ist und was dir dabei förderlich ist. Gleichzeitig fühlt sich dein Gehirn danach entspannt, weil du dir alles von der Seele geschrieben hast, was dir aktuell durch den Kopf geht.

2. Lege dir eine Faszienrolle zu

Für mich ist es das Größte jeden Abend, wenn ich mich auf meiner Faszienrolle massiere. Erst ist man noch vom vielen Sitzen und konzentriert arbeiten verspannt und nach ein paar Minuten fühlt sich mein Körper richtig locker an. Wenn du nicht jede Woche zur Massage gehen kannst oder willst, dann besorge dir eine Faszienrolle und massiere dich eben selbst. Du brauchst auf alle Fälle auch eine Matte dazu, sonst rutscht man sehr leicht weg, wenn der Boden rutschig sein sollte.

3. Fange an zu meditieren

Meditation ist eine wunderbare Art, um neue Energie zu tanken. Ich persönlich meditiere am liebsten morgens gleich nach dem Aufstehen, nicht jeden Morgen aber mehrmals pro Woche. Anfangen kannst du mit einer YouTube Suche oder du schaust mal in der „Podcast“ App, dort finden sich viele geführte Meditationen. Wenn ich der Stimme in Gedanken folge und sie mich in schöne Situationen führt, das ist für mich oft wie ein Mini-Urlaub. Suche dir ein paar Meditationen die dir gefallen und höre diese immer wieder, vor allem wenn du das Gefühl hast, dir fehlt die Luft zum Atmen, weil du so viel um die Ohren hast.

4. Suche dir deinen Wohlfühlort

Ich habe einen realen Wohlfühlort und einen, an den ich mich oft in Gedanken, z.B. während einer Meditation begebe. Dann liege ich in Gedanken in der Hängematte eines Hotels in Hawaii wo ich vor vielen Jahren war und lasse meine Gedanken schweifen. Zuhause ist mein Wohlfühlort mein Schaukelstuhl, in dem ich oft noch abends sitze um zu lesen oder einfach nur den Blick über die Häuser der Umgebung schweifen zu lassen. Was ist dein Wohlfühlort, dein Ort an dem du Kraft tankst? Für manche Menschen ist das ein Baum oder eine Bank im Freien, eine bestimmte Bucht am Strand oder eine Yogaecke in ihrem Haus. Suche dir einen Ort an dem du auftanken kannst und der dir neue Energie schenkt, vor allem wenn du mal ausgebrannt bist oder dir wichtige Entscheidungen im Kopf rumgehen.

5. Podcast hören

Wenn ich dann an meinem realen Wohlfühlort bin, dann finde ich persönlich es auch sehr entspannend einen inspirierenden Podcast zu hören. Suche dir einen der nichts mit deiner Arbeit zu tun hat, sondern etwas zu einem Thema das dich motiviert, persönlich weiterentwickelt oder dir ein Lächeln ins Gesicht bringt. Angebote gibt es viele, selbstverständlich freue ich mich, wenn du meinen eigenen Podcast „Hoch vom Sofa“ hörst, aber wenn du einfach mal auf Spotify oder i-tunes schaust, findest du für jede Vorliebe etwas.

So, bei mir heute am Samstag hat die Uhr gerade 16 Uhr geschlagen. Zeit für mich, mein aktuelles Lesebuch zu holen und es mir in meiner Kuschelecke gemütlich zu machen. Eigentlich habe ich keine Zeit zu lesen, aber ich nehme mir diese halbe Stunde ganz bewusst. Denn ich weiß, dass ich danach wieder frischer, ruhiger, aufmerksamer und wacher sein werde.

Ich wünsche dir ganz viel Freude beim Entspannen und Genießen der Ruhe.

Deine Kerstin

Kennst du schon meinen neuen Podcast „Hoch vom Sofa!“? Zu den meisten Blogartikeln nehme ich entsprechend einen Podcast auf. Wenn du also lieber hörst statt liest, dann schau doch mal beim Podcast vorbei.

Über Kerstin Goldstein

Kerstin ist Reisebiene, zertifizierte Pilates-, Fitness- und Meditationstrainerin aus Leidenschaft. Als (online) Coach und Trainerin für Fitness, Ernährung und Entspannung unterstützt sie seit fast 20 Jahren vor allem Frauen dabei, ihre sportlichen und gesundheitlichen Ziele umzusetzen.

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