Aufschieberitis – hast du die Krankheit auch?

Seit einigen Tagen schon spüre ich diese Krankheit, dass sie mich erwischt hat. Ich soll einen Blogartikel für jemand schreiben zu einem Thema, auf das ich eigentlich keine Lust habe. Also habe ich in den letzten Tagen meine Wohnung geputzt, meinen Kühlschrank besonders gut gefüllt, mehr Zeit als nötig in der Hängematte verbracht und sogar meine Ablage gemacht, was normalerweise für mich das letzte ist, das ich gerne mache.

Kennst du das auch, dass du dir Dinge vorgenommen hast oder dir vorgegeben wurden und du schiebst die dann vor dir her bis sie zäh werden wie alter Kaugummi? Ziemlich anstrengend. Ich warte dann immer darauf, dass irgendwann die Heinzelmännchen vorbei kommen und diese Sache für mich machen, doch bisher habe ich immer vergeblich auf die kleinen Helfer gewartet. Meist hat sich die Sache auch nicht in Luft aufgelöst. Sie blieb einfach wie ein schwerer Klotz auf meiner to do Liste oder Wunschliste liegen und hat mich vorwurfsvoll angeschaut.

Aufschieberitis gibt’s in allen Lebensbereichen. Deine Aufschieberitis mag in anderen Bereichen sein als in meinen. Sport und gesunde Ernährung sind für mich kein Thema für Aufschieberitis. Die Steuern erledigen oder jeden Monat die Buchhaltung machen aber schon. Wenn du Steuerberaterin bist, dann sagst du vielleicht, nö Steuern und Buchhaltung immer her damit, das ist meine Leidenschaft. Aber Sport machen und was gesundes kochen, das mache ich dann mal morgen. Was wir vor uns herschieben, ist also für jeden von uns unterschiedlich. Aber nachdem du meinen Blog liest oder meinen Podcast hörst, gehe ich davon aus, dass Bewegung oder allgemein gesundheitliche Entscheidungen bei dir zumindest immer wieder mal auf der Prokrastinationsliste stehen.

Ich möchte dir heute 10 Tipps geben, wie du es schaffst ohne Arztbesuch oder Tabletten von deiner sportlichen Aufschieberitis Krankheit geheilt zu werden.

  1. Setze dir realistische Ziele
  2. Erstelle dir einen Plan
  3. Sei organisiert
  4. Setze Prioritäten
  5. Fange am besten sofort an
  6. Drücke dich nicht ständig vor dem Unangenehmsten
  7. Plane Pausen mit ein
  8. Mache nicht mehrere Sachen gleichzeitig
  9. Hole dir Unterstützung ins Boot
  10. Belohne dich

Setze dir realistische Ziele

Wenn deine sportlichen Ziele zu groß sind, dann läufst du Gefahr, dass du gar nicht erst anfängst, weil du Angst davor hast sie nicht zu erreichen. Sind deine Ziele allerdings zu klein, dann spornen sie dich nicht an. Es ist also wichtig, dass du motivierende Ziele definierst, die zu dir und deinem Alltag passen. Oder du brichst dein großes Ziel in mehrere kleinere Unterziele herunter, die du dann Stück für Stück angehst.

Erstelle dir einen Plan

Schreibe dir auf, was du alles anpacken willst und dann überlege dir was du wann am besten angehst. Dein Weg zu deinem Ziel ist wie ein Projekt. Eine gute Projektmanagerin läuft auch nicht einfach los und schaut dann mal wo sie rauskommt. Sie überlegt ganz gezielt was sie erreichen will und plant dann die nötigen Schritte bis zum Projektziel.

Sei organisiert

Wenn du deinen Projektplan erstellt hast, dann überlege dir was du wann, wo und wie machst. Was musst du vorab noch organisieren, um z.B. deine Sporttage auch einhalten zu können? Musst du deine Termine in der Arbeit mit dem Chef absprechen, dass du 2x pro Woche pünktlich gehen kannst? Musst du dir einen Babysitter Dienstagabends organisieren, dass du dann in Ruhe zum Bouldern gehen kannst? Ist es für dich sinnvoll deine Sporttasche bereits morgens mitzunehmen und auf dem Heimweg für Sport zu stoppen? Was braucht deine persönliche Situation an vorab Orga, dass du deinen Plan realisieren kannst?

Setze Prioritäten

Frag dich, was jetzt gerade am wichtigsten für dich ist? Ist es wichtiger für dich, dir an diesem Abend etwas gesundes zu kochen oder schreit dein verspannter Rücken nach einem Training, weil du die letzten 3 Tage angestrengt in Meetings gesessen hast? Wenn deine Zeit begrenzt ist, dann priorisiere an diesem Tag. Ist es wichtiger, heute Abend deine Wäsche zu bügeln oder zum Sport zu gehen? Entscheide dich, immerhin geht es um deine Gesundheit.

Fange am besten sofort an

Hast du dein Ziel definiert, deinen Plan gemacht, deine Prioritäten gesetzt und dich organisiert, dann fange am besten sofort an. Nicht erst zum nächsten Jahreswechsel oder an deinem nächsten Geburtstag oder wenn der Mond halb nach links gedreht ist. Starte sofort. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Ein wahrhaftig gutes Sprichwort. Du weißt nie, wie lange du noch gesund bist und Sport machen kannst. Nutze die Zeit die du auf dieser Erde noch hast, um die gesündeste Version von dir selbst zu werden.

Drücke dich nicht ständig vor dem Unangenehmsten

Aus deinem Job kennst du diesen Tipp vielleicht, morgens soll man mit der Aufgabe des Tages starten, die man am unangenehmsten findet. Was ist das bei dir und dem Sport? Meist sind die Dinge die wir am Sport nicht so gerne mögen, diejenigen die uns am meisten gut tun würden. Für mich ist das Ausdauertraining, ich mag es nicht so gerne wenn mir der Schweiss in Bächen runterläuft. Ich bin mir aber auch bewusst, dass Ausdauertraining etwas ist, das mir super gut tut – wenn ich es denn mache. Also habe ich mir ein entsprechendes Ziel gesetzt. Bis Weihnachten werde ich 34 Stockwerke ohne zu stoppen hochlaufen können. Bei 21 bin ich schon und habe ja noch 2 Monate Zeit.

Vor kurzem hatte ich ein Interview für meinen Podcast mit Ruth Hollederer, höre gerne mal in die Folge 20 rein. Dort sagt sie, dass Langstrecke laufen überhaupt nicht ihr Ding ist, aber dass sie spürt, dass das genau das ist, was sie tun sollte für ihren Körper. Und deshalb hat sie sich mit ein paar anderen zusammengetan, die schon etwas besser sind als sie und sie haben sich als Ziel gesetzt einen 10km Lauf mitzumachen und trainieren jetzt dafür.

Plane Pausen mit ein

Damit meine ich nicht, dass du Pausen während deinem Training einplanst. Ich meine, dass du von vorne herein mit einplanst, dass es immer wieder in deinem Alltag Zeiten geben wird, in denen du nicht deine sportliche Routine haben wirst so wie du geplant hast. Wir sind ja keine Roboter. Ich habe auch Wochen, wo ich Besuch habe oder eine deadline für ein berufliches Projekt ist, wo ich froh bin, wenn ich es einmal ordentlich ins Training schaffe und an den anderen Tagen bin ich zufrieden wenn ich es 10 Minuten auf meine Faszienrolle am Abend schaffe.

Bei einer meiner Kundinnen ist jedes Jahr im Januar im Job die Hölle los und das wissen wir, dann trainieren wir statt sonst wie gewöhnlich dreimal pro Woche entweder nur einmal oder auch mal 14 Tage gar nicht. Aber das hindert uns nicht daran, sobald diese Zeit vorbei ist wieder zur Routine zurückzukehren. Denn das ist das wichtige, dass du dranbleibst und nicht nach einer (Zwangs-)Pause aufgibst.

Starte nicht mehrere Sachen gleichzeitig

Multitasking war vor ein paar Jahren total in. Je mehr man auf einmal gemacht hat, desto cooler war man. Beim ändern von Gewohnheiten ist das Multitasking aber fehl am Platz. Wenn du 5 deiner schlechteren Gewohnheiten auf einmal angehst (3x pro Woche Sport machen, jeden Tag frisch kochen, Zucker reduzieren, 2x täglich meditieren, mit den Kindern in die Kita mit dem Rad fahren), dann sind das meiner Meinung nach genau 4 Dinge zu viel die du startest. Starte mit einer Sache und wenn du diese zur Routine gemacht hast, dann nimmst du eine weitere Sache dazu. Sonst bist erstens DU überfordert und dieses kleine Wesen in dir drin das gerne mal saboteurisch daherkommt und auf den Namen Schweinehund hört, noch tausendmal mehr.

Hole dir Unterstützung ins Boot

Alleine auf weiter Flur kann echt anstrengend sein. Hole dir Freunde, Kollegen, ältere Kinder oder wen auch immer dazu. Verabrede dich mit deiner Nachbarin montags zum Yoga so wie Meike Langrock in Folge 2 meines Podcast und glaube mir, die Nachbarin wird auf deine Anwesenheit warten. Oft braucht es eine stärkere Unterstützung von außen, dann ist ein Coach oder Personal Trainer perfekt, der dir eine Zeitlang professionell unter die Arme greift und zeigt wie was wo für dich sinnvoll ist. Mit einigen meiner Kundinnen arbeite ich lange Jahre zusammen, weil wir mittlerweile schon fast sowas wie Sportbuddies geworden sind. Mit anderen verbringe ich nur ein paar Wochen und bringe sie auf ihren Weg zu ihrem Ziel so dass sie dann alleine weitergehen können. Unterstützung von außen ist enorm wichtig für dein Durchhaltevermögen, denn alleine kann es verdammt schwer sein dranzubleiben wenn die erste Euphorie verfolgen ist, vor allem wenn die ersten Roadblocks, Alltagsprobleme, Schweinehunddiskussionen und stressige Zeiten auftreten.

Belohne dich

Motiviere dich indem du deine kleinen Erfolge belohnst. Du hast es geschafft diese Woche so wie geplant 3x Sport zu machen? Super, dann gönne dir ein genüssliches Schaumbad. Du hast diese Woche keine Schokolade gegessen? Wunderbar. Dann gönne dir einen freien Abend im Kino. Dein Ziel diese Woche war es jeden Tag mehr als 7.000 Schritte zu gehen und du hast das geschafft? Dann belohne dich mit einer Fußmassage. Belohne dich mit egal was, außer mit ungesundem Essen. Das ist tabu. Ansonsten darfst du alles.

So ich muss jetzt weitermachen. Mein ungeliebter Blogartikel ruft, doch nachdem ich jetzt einen schönen Artikel für DICH geschrieben habe, bin ich motiviert auch mit diesem anderen Task loszulegen. Wenn ich fertig bin, geht’s übrigens für mich in den Pool. Das ist meine Belohnung.

Kennst du schon meinen neuen Podcast „Hoch vom Sofa!“? Zu den meisten Blogartikeln nehme ich entsprechend einen Podcast auf. Wenn du also lieber hörst statt liest, dann schau doch mal beim Podcast vorbei.

Über Kerstin Goldstein

Kerstin ist Reisebiene, zertifizierte Pilates-, Fitness- und Meditationstrainerin aus Leidenschaft. Als (online) Coach und Trainerin für Fitness, Ernährung und Entspannung unterstützt sie seit fast 20 Jahren vor allem Frauen dabei, ihre sportlichen und gesundheitlichen Ziele umzusetzen.

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